Grußwort Katrin Göckenjan

Superintendentin Göckenjan

Liebe Mitmenschen,

„es ist ein Wunder, dass ich all meine Hoffnungen noch nicht aufgegeben habe, denn sie erscheinen absurd und unerfüllbar. Doch ich halte daran fest, trotz allem, weil ich noch stets an das Gute im Menschen glaube“.

Worte einer 15-jährigen Jugendlichen. Geschrieben in einem Versteck, in das Mitmenschen sie und ihre Familie getrieben hatten. Mehr als 2 Jahre hat Anne Frank dort gelebt, gelitten, gehofft – und geschrieben. Mit einer unbändigen Sehnsucht nach Leben und einer Hoffnung, die sich gegen die Angst und den Augenschein stemmte – und bis zum Ende stärker blieb.

Über 70 Jahre ist das her. Manche Menschen sagen, das ist doch lange vorbei.

Ist es nicht, finden Jugendliche und Erwachsene aus Marl. Im Gegenteil. Sie haben die Ausstellung des Anne-Frank Zentrums in Berlin besucht. Sie haben sich von Anne Franks Geschichte berühren lassen. Aus irgendeinem Mädchen in grauer Vorzeit ist „ihre“ Anne geworden. Durch ihre eigenen Ideen haben sie die Hoffnung und die Sehnsucht nach dem vollen Leben für alle Menschen zu neuem
Leben erweckt.

„Das Leben ist so wunderbar, so zauberhaft, so groß – was machen die Menschen damit bloß?“ singen sie im Stück.

Und damit sind wir selber mittendrin. Keine Zuschauer mehr, sondern Mitmenschen. Damals wie heute.

Heute möchten manche Menschen aus lauter Sorge um sich selbst das Leid der anderen, lieber noch die anderen selbst ausblenden, damit ihre Welt überschaubar wird. Zerteilen kann man die Würde der Menschen aber nicht, denn jede und jeder ist ein Bild Gottes. Viele Kinder, Jugendliche und Erwachsene wissen sehr genau, dass ein Leben auf dieser Erde nur gemeinsam und in Frieden möglich ist. Gut also, dass Ihr Eure Stimme erhebt und uns an Anne Frank und ihre Hoffnung erinnert!

Ich danke der Evangelischen Stadtkirchengemeinde Marl und insbesondere dem Ensemble der boje sehr für dieses starke Stück. Ich wünsche ihm ein großes und aufmerksames Publikum, das sich berühren lässt und die Hoffnung und Liebe zu den Menschen weiterträgt.

Für den Evangelischen Kirchenkreis Recklinghausen mit herzlichen Grüßen

Katrin Göckenjan
Superintendentin